Ein römischer Soldaten-Helm, auf dem die Namen seiner Träger stehen


So fern und doch so nah – Geschichte kann sehr spannend sein. Im Heimatmuseum Pfuhl ist vom 12. September 2021 bis 26. Juni 2022 die originalgetreue Kopie eines fast vollständig erhaltenen römischen Bronze-Helms zu besichtigen, der nicht nur seiner Form und seinem Zustand nach beeindruckt. Eine absolute Rarität ist, dass der Kopfschutz sogar die Identität der beiden Soldaten offenbart, die ihn einst nacheinander trugen. Immer noch deutlich lesbar eingestanzt sind die Namen Publius Aurelius und Marcus Munatius - sowie deren Einheit: die XVI. Legion, die zu der Zeit – in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts nach Christus – in Mainz stationiert war.

Der Helm, der 1959 in einer Kiesgrube entdeckt wurde, zählt zu den Höhepunkten der Sonderausstellung „In Pfuhl, um Pfuhl und um Pfuhl herum!“ Hinter diesem abgewandelten Ulmer Zungenbrecher verbirgt sich ein archäologischer Streifzug durch die Geschichte Pfuhls und seiner Umgebung mit Funden aus 5000 Jahren.

Die Ausstellungsstücke stammen aus der Archäologischen Sammlung des Landkreises Neu-Ulm, die seit 2008 im Verborgenen liegt, weil nach Schließung des Museums am Neu-Ulmer Petrusplatz keine geeigneten Ausstellungsräume mehr gefunden werden konnten. Erstmals seit 13 Jahren ergibt sich mit der Pfuhler Ausstellung nun die Gelegenheit, interessierte Blicke auf eine Teilmenge der lange nicht mehr gezeigten Sammlung zu werfen. Zu sehen sind etwa rituell in der Donau versenkte Opfergaben, wie zum Beispiel ein u-förmig gebogenes Schwert der späten Bronzezeit. „Es wurde gebogen, um es als Waffe unbrauchbar zu machen“, erklärt Richard Ambs, der ehemalige Kreisarchäologe des Landkreises Neu-Ulm. Sein Nachfolger Stefan Reuter erläutert den Opferzweck: „Die Menschen wollten so die Flussgötter milde stimmen.“

Zahlreiche Flussschlingen und -schleifen sowie Seitenarme hatte damals die noch unreguliert fließende Donau. Sie prägte auch schon in vorgeschichtlicher Zeit den Gang des Lebens der an seinen Ufern siedelnden Menschen. Entsprechend haben die beiden Ausstellungsmacher Stefan Reuter und Franziska Honer (Kulturreferentin des Landkreises Neu-Ulm) die Schau im alten Pfuhler Rathaus konzipiert.

Sie ordneten die Exponate nicht chronologisch, sondern nach mehreren Sachgebieten: „Im Fluss“ (Opfergaben), „Auf dem Fluss“ (die Donau als Verbindungs- und Transportweg), „Am Fluss“ (die Donau als Grenze). Dazu kommen als weitere historische Schlaglichter Grabungsfunde aus dem Jahr 2001 in der Pfuhler Sankt-Ulrichs-Kirche und die Urkunde, in der Pfuhl zum ersten Mal schriftlich erwähnt worden ist. Das war im Jahr 1244. Insgesamt ergeben sich auf diese Weise Impressionen aus 5000 Jahren Siedlungsgeschichte im Gebiet des heutigen Pfuhl, Burlafingen und Offenhausen.

Wo auf dem Zeitstrahl, der von der Jungsteinzeit bis zum Spätmittelalter reicht, ein aus Eisen geschmiedeter, imposanter Feuerbock einzuordnen ist – darüber streiten sich indes die Gelehrten. Richard Ambs geht von einem Fund aus der keltischen Latène-Zeit aus, die zwischen 450 und 15 vor Christus datiert wird. Dagegen wurde das Artefakt in der Archäologischen Staatssammlung in München zum Produkt der Renaissance (15./16. Jahrhundert) herabgestuft.

In jedem Fall weiß der halbe Feuerbock mit seiner Hirschkopf-Nachbildung als Abschluss zu beeindrucken. Zusammen mit dem fehlenden Komplementärstück diente er einst wohl als Grill und Opfergabe. 2010 wurde das Objekt bei Grabungsarbeiten in einem Pfuhler Neubaugebiet zu Tage gefördert. Die beiden Finder und damit Eigentümer gaben den Feuerbock nach München. Mit viel Ausdauer und Überzeugungskunst schafften es die Museumsfreunde Pfuhl das historische Werk „in die Heimat zurückzuholen, um es erstmals der Öffentlichkeit zu präsentieren“, erzählt Vorsitzender Hans-Werner Ast.

Dagegen schon häufiger gezeigt wurde der eingangs erwähnte Römer-Helm. „Er fehlt in keiner Publikation über die Römer an der Donau“, weiß Kreisarchäologe Stefan Reuter, dessen Spezialgebiet die Provinzialrömische Geschichte ist. Der Helm wurde 1959 entdeckt, dürfte jedoch zum Komplex des kleinen Kastells gehören, dessen Spuren 1984 in Burlafingen ans Tageslicht kamen.

Das Kastell fasste etwa 80 Mann – das ist in etwa die Stärke einer Centurie, einer militärischen Einheit des römischen Heeres. Die Legionäre übernachteten wohl in leichtgebauten, provisorischen Baracken. Relikte von langlebigeren, festen Gebäuden im Inneren des Kastells wurden jedenfalls nicht gefunden. Die Soldaten standen unter dem obersten Befehl von Kaiser Claudius, der von 41 bis 54 nach Christus in Rom regierte. „Sie könnten etwa beim Bau der südlichen Römerstraße entlang der Donau eingesetzt worden sein“, nimmt Stefan Reuter an.

Publius Aurelius und Marcus Munatius sind also wohl frühe Vorläufer der Bauarbeiter, die gegenwärtig die B 10 von Neu-Ulm nach Nersingen südlich der Donau ausbauen. Geschichte kann so spannend sein!

INFO:

Das Heimatmuseum Pfuhl in der Hauptstraße 73 ist immer sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt zu der Sonderausstellung „In Pfuhl, um Pfuhl und um Pfuhl herum“ ist frei. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.heimatmuseum-pfuhl.de

Römischer Soldatenhelm Franziska Honer

Die originalgetreue Kopie eines Bronze-Helms aus der Römerzeit, der 1959 in einer Kiesgrube in Burlafingen gefunden wurde, präsentieren die Kulturreferentin des Landkreises Neu-Ulm, Franziska Honer, und Kreisarchäologe Stefan Reuter. Foto: Jürgen Bigelmayr / Landratsamt Neu-Ulm

Feuerbock Richard Ambs

Ein zweites spektakuläres Ausstellungsobjekt der neuen Sonderausstellung im Heimatmuseum Pfuhl ist dieser Feuerbock. Der ehemalige Kreisarchäologe Richard Ambs (im Bild) datiert das Fundstück in die keltische Latène-Zeit (450 bis 15 vor Christus). Foto: Jürgen Bigelmayr / Landratsamt Neu-Ulm

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