"Kinder sind ein Geschenk"


Seit zehn Jahren veranstalten das Bildungszentrum Kloster Roggenburg, die Bildungsregion Landkreis Neu-Ulm und die Volkshochschule (VHS) im Landkreis Neu-Ulm stets im Oktober den Großen Erziehungs- und Bildungsvortrag. Namhafte Experten gaben sich dabei ein Stelldichein. Zum Jubiläum warteten die Veranstalter mit dem gleichen Referenten auf wie bei der Premiere im Jahr 2012. Dr. Jan-Uwe Rogge, Bestsellerautor sowie Familien- und Kommunikationsberater aus der Nähe von Hamburg, legte einen kabarettreifen und zugleich fachlich fundierten Auftritt hin. Das Publikum im ausverkauften Festsaal des Klostergasthofes in Roggenburg zeigte sich begeistert.

Mütter, Erzieherinnen und Lehrerinnen hatten viel Spaß dabei, sich von einem der meist gelesenen Autoren von Erziehungsratgebern den Spiegel vorhalten zu lassen. Hieß vor zehn Jahren Rogges Thema „Ohne Chaos geht es nicht“, so begründete er diesmal, "warum Raben die besseren Eltern sind".

Sein erstes Argument: "Raben lachen für ihr Leben gern. Das Kreischen ist ihr Lachen", sagt Rogge. Daran sollten sich Eltern ein Beispiel nehmen: "Kinder lieben lebendige Eltern aus Fleisch und Blut, die mit ihnen lachen, sie überraschen und eine klare Sprache sprechen. Sie wollen keine erzieherischen Programme." Überhaupt nicht ausstehen könnten die Kleinen, "wenn man ständig über sie spricht, aber nicht mit ihnen redet", weiß der Erziehungsberater aus 40 Jahren Berufserfahrung.

Daraus speist sich Argument Nummer zwei: "Kinder wollen nicht immer auf Schritt und Tritt beobachtet werden." Auf Kinderspielplätzen, so Rogge, ginge es heute zu wie im Zoo. Mütter und ihre besten Freudinnen zischten "wie bissige Hyänen" belehrende Ratschläge und tadelnde Anweisungen von außen auf die Spielplätze.

Nein, Kinder wollen nicht dauerbegutachtet und gemaßregelt werden, sie möchten Rogge zufolge auch nicht in eine Rolle gepresst werden: "mein Einzelkind", "typisches Sandwichkind", "unser Sorgenkind". Was Kinder vielmehr herbeisehnen? "Dass sie so angenommen werden, wie sie sind."

Damit sind wir beim dritten Argument: Häufig versuchten Eltern ihren Nachwuchs nach dem Bild zu formen, "wie sie ihre Kindern gern hätten". Doch die Mädchen und Buben haben eigene Bedürfnisse. Sie wollen mitbestimmen – meistens über den Zeitpunkt einer Handlung, weniger über die Sache selbst. Rogge wählte das abendliche Zähneputzen als Beispiel: vor oder nach dem Sandmännchen?

Kinder seien nicht beliebig formbar. Eltern müssten deshalb Grenzen ihrer Erziehungskraft akzeptieren. Vielmehr komme es darauf an, die eigenen kleinen  Persönlichkeiten mit ihren Stärken – und Schwächen (!) – zu lieben. Zur Verdeutlichung interpretierte Rogge die bekannte Geschichte vom "verlorenen Sohn" aus dem Lukas-Evangelium und formulierte das "3G-Gesetz" der Erziehung: "Geschickt vorgehen – Grenzen akzeptieren – Große Gefühle erleben".

Bestsellerautor Dr. Jan-Uwe Rogge begeisterte beim 10. Großen Erziehungs- und Bildungsvortrag der Bildungsregion, des Bildungszentrums und der VHS in Roggenburg.

Rogge verpackte seine Botschaften in feinsinnigen Wortwitz und bot dem Publikum einen unterhaltsamen Abend..

Der Lachreiz folgte dabei der Regel: Wer lacht, fühlt sich ertappt. "Wir haben uns wiedererkannt, Herr Rogge!", bekannten in ihren Dankesworten Pater Roman Löschinger, der Direktor des Bildungszentrums, und Sonja Seger-Scheib, Bildungsbeauftragte des Landkreises Neu-Ulm und selbst zweifache Mutter.

Kurz zuvor hatte der Stargast des Abends den Besucherinnen und Besuchern diesen zusammenfassenden Satz fürs Stammbuch mit auf den Heimweg gegeben: "Nehmen Sie Ihre Kinder ernst, dann werden Sie ernst genommen." Wer es schaffe, seinen Kindern nicht mit dem Impetus des Erziehungsberechtigten zu begegnen, sondern sich in der Erziehung von Dankbarkeit und Demut leiten lasse, der – so Rogge – erlebe, was es bedeute, wenn er sagt: "Kinder sind ein Geschenk."

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