TV-Star Christian Kahrmann wäre fast an Corona gestorben


„Ich bin unwahrscheinlich dankbar, dass ich das alles überlebt habe“, sagte der bekannte Schauspieler Christian Kahrmann in Illertissen, der als Kind und Jugendlicher die Rolle des Benny Beimer in der TV-Serie „Lindenstraße“ gespielt hatte. Auf Einladung von Marc Löchner, dem Geschäftsstellenleiter der Gesundheitsregion plus Landkreis Neu-Ulm, und Carolin Gehring, der Geschäftsführerin der Volkshochschule (VHS) im Landkreis Neu-Ulm, war Kahrmann extra aus Berlin angereist, um über seine schwere Covid-Erkrankung zu berichten, die ihn beinahe das Leben gekostet hätte.

Mit seinen Erlebnissen, die er in der Historischen Schranne anschaulich schilderte, wollte der TV-Star aufklären und anhand seines eigenen Schicksals darauf hinweisen, wie wichtig es ist, die Krankheit ernst zu nehmen und sich gegen das Virus impfen zu lassen.

„Das war kein Kindergeburtstag“, sagte der heute 49-Jährige über seine lebensgefährliche Erkrankung und zählte seine Symptome auf: Er hatte eine sehr schwere Lungenentzündung. Mit Erstickungspanik und 41 Grad Fieber kam er auf die Intensivstation einer Berliner Klinik. Am 19. März dieses Jahres wurde er ins künstliche Koma versetzt. Erst nach drei Wochen, am 5. April, erwachte er.

Doch das Leiden war damit für ihn noch längst nicht beendet: Seine Nieren hatten während des Komas versagt. Er nahm 20 Kilogramm ab – hauptsächlich Muskelmasse. In Füßen und Beinen hatte er Taubheitsgefühle. Die Gelenke wurden vom vielen Liegen geschädigt. Im Gesicht rissen Wunden von den Schläuchen, mit deren Hilfe er notversorgt wurde. Die Haare fielen ihm aus. Er litt unter Gedächtnislücken. Seine Organe waren in ihrer Funktion gestört, die Blutwerte extrem schlecht. Er war enorm geschwächt, konnte sich zunächst nur mit dem Rollstuhl und später dem Rollator fortbewegen. Um die Heilung zu unterstützen, musste er sich mehrerer Operationen unterziehen.

Inzwischen hat er sich in der Reha gut erholt, ist aber immer noch nicht vollständig genesen. Vor allem seelisch haben ihn die Corona-Infektion und ihre Folgen schwer mitgenommen. Denn nicht nur er erkrankte an Covid, sondern auch seine Eltern, seine Lebensgefährtin und seine Schwester. Während Christian Kahrmann im Koma lag, verstarb sein Vater und drei Monate später, im Juni, seine krebskranke Mutter. Von beiden konnte er sich nicht mehr persönlich verabschieden. 

Der bekannte Schauspieler Christian Kahrmann (rechts) sprach in der Illertis-ser Schranne über seine schwere Covid-Erkrankung. Eingeladen hatten ihn Marc Löchner (links, Gesundheitsregion plus) und Carolin Gehring (Bildmitte, VHS).

Dies alles zu verarbeiten, „ist ein Riesenberg“, gestand Kahrmann. Doch er ist mittlerweile zuversichtlich, wieder so fit zu werden, dass „ich glücklich und zufrieden leben kann“. Dass das nach all dem, was er durchgemacht hat, möglich geworden ist, erscheint ihm „wie ein Wunder“.

Daraus leitet er für sich den Auftrag ab, seine Erfahrungen mit Covid und Long Covid der Öffentlichkeit weiterzugeben. „Wenn das auch nur einem Menschen hilft, dann habe ich mein Ziel schon erreicht“, sagte Kahrmann. Mittlerweile erzählte er schon mehrmals im Fernsehen, zum Beispiel in Talkshows oder Magazinen, darüber, was er erlitten hat. Auch Angebote, ein Buch über seine Geschichte zu schreiben, hat er bereits erhalten.

In Illertissen sprach er zum ersten Mal – außerhalb des Fernsehens – vor Publikum über seine leidvolle Zeit. Es habe ihm gut getan, sagte er am Ende des Abends, an dem er noch lange die vielen interessierten Fragen der insgesamt 50 Besucherinnen und Besucher im Saal und per Live-Stream im Internet beantwortete.

Am darauf folgenden Tag war Kahrmann bei drei Medienredaktionen in Ulm zu Gast. Auch Initiator Marc Löchner von der Gesundheitsregion plus wird dieses Thema weiterverfolgen. Er plant für 1. Dezember im Landratsamt Neu-Ulm einen Vortragsnachmittag mit Referaten zu den körperlichen und psychischen Auswirkungen von Long Covid. Außerdem wir eine Referentin des Bayerischen Gesundheits- und Pflegeministeriums über die dortigen Aktivitäten zum Post-Covid-Syndrom referieren. Am 16. Dezember folgt, ebenfalls im Landratsamt, ein Nachmittag zum Thema „Corona und die Folgen für Versorgungsvollmachten und Patientenverfügungen“. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

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