Eine außergewöhnliche neue Heimat für eine außergewöhnliche Truppe


Wer Außergewöhnliches leistet und damit dem Schutz der Bevölkerung dient, der hat sich die bestmögliche Ausrüstung und Technik verdient. Das neue Feuerwehrhaus am Rande von Illertissen beeindruckt nicht nur durch seine immense Größe: 79,2 Meter lang, 25,5 Meter hohen Turm sowie seinen umbauten Raum von 20.974 Kubikmeter. Mehr noch sind es die Details, die es zu etwas Besonderem machen. Das wurde jetzt bei einer Führung für Journalistinnen und Journalisten deutlich.

Das neue Feuerwehrhaus wird künftig sowohl von den Illertisser Floriansjüngern als auch von der Kreisbrandinspektion genutzt. „Die synergetische Nutzung des Gebäudes besitzt überregionalen Modellcharakter“, hob Landrat Thorsten Freudenberger bei dem Presserundgang hervor.

Ein Prunkstück ist die Atemschutzübungsstrecke – eine HighTech-Anlage, die der Landkreis Neu-Ulm betreibt. Dort können alle 76 Feuerwehren und fünf Werksfeuerwehren von Elchingen bis Kellmünz unter modernsten Simulationsbedingungen für den Ernstfall trainieren. Atemschutzträger aus benachbarten Landkreisen sind ebenso willkommen.

Auch die Taktisch Technische Betriebsstelle (TTB) für den Digitalfunk der Feuerwehren in den beiden Landkreisen Neu-Ulm und Günzburg erfüllt höchste Ansprüche an Technik und Personal. Kreisbrandmeister Christian Fuchs (Landkreis Neu-Ulm) und Daniel Hiller (Landkreis Günzburg) leiten gemeinsam die landkreisübergreifende Elektronikwerkstatt, die bereits in Dienst gestellt worden ist. Die TTB ist für insgesamt 203 Standorte mit 5.845 Funkgeräten zuständig.

Ein Blickfang im neuen Illertisser Feuerwehrhaus sind die Umkleideräume der Einsatzkräfte. Statt wie gewöhnlich aus Blech, sind die Spinde aus Holz gefertigt – und zwar von einer Schreinerei, nach Vorgaben der Illertisser Wehr, zu geringeren Kosten als veranschlagt. Außen auf den Türen der Schränke sind spektakuläre Motive von einem großen Brandeinsatz der Illertisser „Firefighters“ aufgedruckt. Vorlage für die verschiedenen Ausschnitte auf den Spinden ist ein besonders gelungenes Foto von Wilhelm Schmid, dem Pressesprecher der Kreisbrandinspektion und des Kreisfeuerwehrverbandes.

Eindrucksvoll am Bereitschaftsraum ist vor allem die viele unentgeltliche Arbeit, welche die Feuerwehrleute in ihre "Florianstube“ gesteckt haben. Das Holz für die gute Stube des Hauses schlugen einige Feuerwehrmänner sogar selbst im Wald. Daraus entstand das heutige Mobiliar, wobei die Stahlteile ebenfalls selber gefertigt wurden. Insgesamt 10.000 Stunden Eigenleistung erbrachten die Feuerwehrleute aus Illertissen, der Förderverein investierte 176.000 Euro - Geld, das dem Steuerzahler erspart wurde.

Auf diese Art und Weise wuchs von September 2019 bis August 2021 ein Gemeinschaftswerk heran, das weit über den Landkreis Neu-Ulm hinaus neue Maßstäbe setzt. „Wir können stolz auf das neue Feuerwehrhaus sein, mit dem sich für uns ungeahnte, neue Möglichkeiten für Übung und Einsatz auftun“, freut sich Kreisbrandrat Dr. Bernhard Schmidt, um sogleich zu betonen, dass die gesamte Bevölkerung im Landkreis und im benachbarten Grenzgebiet „Nutznießer“ des hochmodernen Komplexes sei.

Für Jürgen Eisen, Bürgermeister von Illertissen seit 2014, ist das neue Feuerwehrhaus „das größte Bauprojekt in meiner Amtszeit“. Er hob hervor, dass die Baukosten mit insgesamt 10,4 Millionen Euro nur um drei Prozent die Plankosten überschritten hätten. Zum Vergleich: Der Baukostenindex im Vergleichszeitraum liege bei 12 Prozent.

Der Finanzierungsanteil des Landkreises Neu-Ulm ist mit 3,66 Millionen Euro budgetiert, die Endabrechnung steht indes noch aus. Ebenso die Inbetriebnahme. Außer der TTB befindet sich das Gebäude noch in der Erprobungsphase. Kommandant Erik Riedel lässt aber den Blick bereits in die weitere Zukunft schweifen: Laut Architekt Berthold Braunger aus Blaustein kann das „langlebige, robuste und funktionale Bauwerk auch noch aufgestockt werden“.

Erst einmal müssen aber noch letzte, kleinere Arbeiten fertiggestellt werden. Im Frühjahr oder Sommer 2022 soll dann das 9.302 Quadratmeter große, bebaute Gelände mit einem würdigen Fest, zu dem alle Bürgerinnen und Bürger offiziell eingeladen sind, eingeweiht werden.

FW Haus Illertissen

Mit einem essbaren Schlüssel wurde das frisch gebackene Feuerwehrhaus in Illertissen (auf der Leinwand im Hintergrund zu sehen) symbolisch übergeben.

Foto: Bernhard Weizenegger

Eisen-Freudenberger-Schmidt

Die Feuerwehren sind bei ihnen in guten Händen (von links): Jürgen Eisen (Bürgermeister der Stadt Illertissen), Landrat Thorsten Freudenberger, Kreisbrandrat Dr. Bernhard Schmidt

Foto: Martina Sälzle / Landratsamt Neu-Ulm

Außenansicht Feuerwehrhaus Illertissen

Das neue Feuerwehrhaus in Illertissen von außen. Der Baukörper ist 79,2 Meter lang, 25,5 Meter hoch und weist einen umbauten Raum von 20.974 Kubikmeter auf.

Foto: Architekturbüro Braunger Wörtz

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