Von Schlössern, Klöstern, Kliniken und Modenschauen


Von der Bronzezeit bis zur Gegenwart spannt sich der zeitliche Bogen im 27. Band des Jahrbuchs „Geschichte im Landkreis Neu-Ulm“. Auf 150 Seiten geben zehn Autorinnen und Autoren in 14 Beiträgen fundierte Einblicke in die Geschichte des Landkreises Neu-Ulm.

Die Stiftungsklinik Weißenhorn der Kreisspitalstiftung gehört zu den Stützen des Gesundheitswesens im Landkreis Neu-Ulm. Ihre Anfänge als Spital für Menschen, die an Lepra erkrankt waren, reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Der ehemalige Stadtbaumeister Weißenhorns, Burkhard Günther, beleuchtet in seinem Aufsatz dessen Entwicklung vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Den Schwerpunkt legt er dabei auf die Baugeschichte, er geht aber auch auf die Fragen der Spitalgründung, Finanzierung und Fürsorgeberechtigung ein.

Schultheater in den Klöstern Elchingen und Roggenburg

Dr. Anton Aubele beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit der Geschichte der heimischen Klöster Elchingen und Roggenburg. In seinem Aufsatz im aktuellen Jahrbuch vergleicht er die Ausbildung und besonders das Schultheater in Elchingen und Roggenburg. Prägend für beide ist die Jesuitenuniversität Dillingen, sowohl als häufiger Studienort als auch durch die Übernahme des jesuitischen Systems der Klosterschule, das sich nach dem Dreißigjährigen Krieg fest etabliert. Im Rahmen der schulischen Ausbildung wird in Elchingen und Roggenburg eifrig Theater gespielt, da man ihm einen hohen erzieherischen Wert einräumt. Entsprechend sind die barocken Theaterstücke mit vorbildhaften Helden konzipiert. Doch fällt auf, dass sich eine kritische Auseinandersetzung mit der Aufklärung wie ein roter Faden durch die gesamte Ausbildung zieht.

Aus einem der beiden Klöster könnte auch das Vatikanische Siegel stammen, das vor kurzem auf einer ehemaligen Heerstraße bei Straß gefunden wurde. Diese Hypothese stellt Ralph Manhalter in seinem Jahrbuch-Beitrag auf. Das bleierne Siegel trägt das Emblem von Papst Urban VI. (Amtszeit: 1378 – 1389).

Straß liegt im Ulmer Winkel. In diesem Gebiet ließen sich vormals Ulmer Patrizier und aufstrebende Kaufleute auf den vielen ertragreichen Ländereien nieder. Eine ganze Reihe von Herrschaftshöfen wurde so zu Landschlösschen und kleinen Residenzen umgewandelt. Ralph Manhalter erkundet besonders das Tal der Leibi, wo sich Kleinode - wie etwa das Schlossgut Tiefenbach - befinden.

Kleinode, also Kostbarkeiten, sind auch die Kunstwerke des Kirchenmalers Franz Martin Kuen. Eines seiner restaurierten Wandgemälde bedurfte 2021 einer Korrektur. Es handelt sich um das Chorfresko in der Rokoko-Kirche Sankt Leonhard in Roth an der Roth. Über die Hintergründe berichtet Kuen-Experte Matthias Kunze.

Auch die Dokumentation und Analyse von archäologischen Funden nimmt im Jahrbuch 2021 „Geschichte im Landkreis Neu-Ulm“ breiten Raum ein.

Keramik ist in der Archäologie ein wichtiger Faktor, zum Beispiel bei Datierungsfragen. Im Mittelalter erweist sich dies jedoch als problematisch. Fehlende Verzierungen und stereotype Herstellung der Keramik erschweren eine feingliedrige und feinchronologische Ansprache. Peter Wischenbarth greift mit seinem Aufsatz über Keramikfunde eines abgegangenen mittelalterlichen Hofes bei Hirbishofen dieses Problem auf.

Holzschwangs Pfarrer Thomas Pfundner wartet diesmal mit einem Grenzstein-Fund aus dem Jahr 1523 auf. Dabei handelt es sich um eines der ältesten Kulturdenkmäler auf dem gesamten Neu-Ulmer Stadtgebiet.

Außerdem zeichnet Pfundner nach, welche historische Rolle der Meierhof bei er Besiedlung Holzschwangs spielte.

Fabian Hopfenzitz belegt anhand von Funden, deren Entstehung in die Zeit um 1200 bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen, dass schon 100 Jahre vor der Erst-Nennung Pfuhls dort eine Siedlung im Umfeld der ersten Steinkirche existiert hat.

Richard Ambs beschreibt heuer drei Fundstücke: Aus der Bronzezeit stammen erstens ein Absatzbeil, das bei der Begehung eines Abraumhügels bei Pfuhl zu Tage getreten ist, und zweitens ein Griffplattenkurzwert, das auf einem Acker bei Kellmünz gefunden worden ist. Bei einem Fragment eines Feuerbocks, das bei Pfuhl entdeckt wurde und derzeit im Pfuhler Heimatmuseum ausgestellt ist, streiten sich drittens die Gelehrten um dessen zeitliche Einordnung: keltische Latènezeit oder Renaissance?

Archäologin Anja Struthmann beschreibt ein frühmittelalterliches Reihengräberfeld in Vöhringen, in dem Reiterkrieger bestattet waren.

Schönheitsköniginnen in Vöhringen gewählt

Nicht dem Krieg, aber sehr wohl einem anderen ernsten Wettbewerb, dem um die Schönheit nämlich, stellten sich die Damen, die zwischen 1950 und 1986 jeweils bei den Vöhringer Heimatwochen an den Miss-Wahlen teilnahmen. Mit einem Rückblick darauf setzt Jeannette Wischenbarth augenzwinkernd einen amüsanten Akzent im diesjährigen Jahrbuch.

Der Jahresband 2021 des Jahrbuchs „Geschichte im Landkreis Neu-Ulm“ ist erhältlich an der Kasse im Landratsamt Neu-Ulm, in den Kreismuseen und im Buchhandel. Außerdem kann die Publikation per E-Mail bestellt werden: poststelle@lra.neu-ulm.de. Der Stückpreis beträgt 10 Euro. Die Auflage liegt bei 1.200 Exemplaren. Die Autoren und Redakteure arbeiteten alle ehrenamtlich.

Syboldbild Jahrbuch Geschichte 2021

Zum 27. Mal ist das Jahrbuch „Geschichte im Landkreis Neu-Ulm“ erschienen.

Foto: Jürgen Bigelmayr / Landratsamt Neu-Ulm

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