Ehrenkreuz in Gold für Valentin Mayer


Wer wissen will, was Krieg wirklich ist, der muss ihm zuhören. Valentin Mayer aus Jedesheim erlebte als Soldat den Zweiten Weltkrieg, sieben Mal wurde er verwundet. „Jede Verwundung war für mich ein Glück, sonst hätte ich den Krieg nicht überlebt“, ist sich der heute 102-Jährige sicher. In Russland war er dabei, als – so sagt er – „wir das halbe Land zerstörten“. Nach der Epochenwende 1989/90 leistete Valentin Mayer, der 41 Jahre lang Ortsbeauftragter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge war, wichtige Pionierarbeit für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in der ehemaligen Sowjetunion. Dafür wurde ihm nun die höchste Auszeichnung verliehen, die der Volksbund vergibt: das Ehrenkreuz in Gold.

Im Landratsamt Neu-Ulm überreichte ihm Regierungspräsident Dr. Erwin Lohner den Orden, den Valentin Mayer als Erster in Bayerisch-Schwaben erhalten hat. „Etwas ganz Besonderes“ sei für ihn, dass er diese Ehrung vornehmen dürfe, sagte Dr. Lohner: nicht nur wegen der Bedeutung der Auszeichnung, sondern auch, weil er Valentin Mayer, diese herausragende Persönlichkeit, kennenlernen durfte. Sichtlich beeindruckt zeigte sich der oberste Vertreter des Volksbundes in Schwaben von den Erzählungen und Einschätzungen des Kriegsveteranen, der inzwischen einer von nur noch wenigen Zeitzeugen ist.

Bereits 1982, also sieben Jahre vor dem Fall des Eisernen Vorhangs, unternahm Valentin Mayer Reisen in die ehemalige Sowjetunion. Es war der Beginn seines großen Beitrags zu Aussöhnung und Völkerverständigung mit dem einstigen Todfeind.

Mit seiner Divisionskameradschaft organisierte Valentin Mayer Hilfslieferungen im Wert von über 1 Million D-Mark, mit denen ein Kindergarten und ein Kinderkrankenhaus in der einstigen Frontstadt Serpuchow unterstützt wurden.

Durch die entstandenen deutsch-russischen Freundschaften konnten er und seine Kameraden das Schicksal von über 200 gefallenen deutschen Soldaten klären, nachdem ihm Namenslisten, Erkennungsmarken und sterbliche Überreste übergeben worden waren. Mehrere Grablagen mit hunderten deutschen Gefallenen konnten auf diese Weise identifiziert werden.

1993 wurde mit Hilfe russischer Veteranen ein Gedenkstein bei den Ruinen des Dorfes Makajewo errichtet, wo Valentin Mayer am 6. Dezember 1941 zum ersten Mal verwundet wurde, als der Vormarsch der Deutschen etwa 40 Kilometer nordwestlich von Moskau zum Stehen kam. Die Inschrift des Mahnmals könnte nicht aktueller sein: „Nie wieder Krieg! Den Gefallenen der ehemaligen 268. Infanterie-Division“.

 „Versöhnung über den Gräbern. Arbeit für den Frieden“, so lautet das Leitmotiv des Volksbundes. Valentin Mayer verkörpert es wie nur wenige. Mit seinem Buch „Kriegserinnerungen - Vater und Sohn“ – eines von fünf Büchern, die er geschrieben hat – „hat Valentin Mayer uns Nachgeborenen ein wichtiges und wertvolles autobiografisches Geschichtswerk hinterlassen, das quasi ein Vermächtnis ist: Nie wieder Krieg!“, sagt Neu-Ulms Landrat Thorsten Freudenberger.

Valentin Mayer erzählt darin unter anderem von seiner abenteuerlichen Flucht 1945, als die SS ihn in Ostpommern aufgriff und hängen wollte, aber ein hoher Wehrmachtsgeneral dies im letzten Moment verhinderte. Der Landser aus Jedesheim kam auf das riesige Lazarettschiff „Pretoria“ und fuhr mit diesem von der Danziger Bucht über die Ostsee nach Kopenhagen. In Dänemark erlebte Valentin Mayer die Kapitulation (8./9. Mai 1945), ehe er - aus der britischen Kriegsgefangenschaft entlassen - von Flensburg aus mit einem Kohlenzug endlich nach Hause gelangte (28. Juli 1945).

Krieg, egal wo und zwischen wem auf der Welt, lehnt der Veteran entschieden ab. „Aber“, gibt er zu bedenken, „wir dürfen nie vergessen, dass wir Russland die Wiedervereinigung zu verdanken haben“. Auch angesichts des Putinschen Überfalls auf die Ukraine kommt Valentin Mayer kein negatives Wort über das russische Volk über die Lippen, dem er sich so verbunden fühlt. Regierungspräsident Dr. Lohner fasst seine Würdigung der Verdienste des 102-Jährigen mit folgendem Satz zusammen: „Auf Ihre Arbeit, Herr Mayer, konnte der Volksbund nach dem Ende der Sowjetunion aufbauen.“

INFO:
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. wurde im Jahr 1954 von der Bundesrepublik Deutschland mit der wichtigen Aufgabe betraut, die Gräber der deutschen Kriegstoten zu erfassen, zu erhalten und zu pflegen. Neben den Anlagen des Ersten und Zweiten Weltkrieges befinden sich auch die Denkmäler und Friedhöfe des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 unter der Obhut des Volksbundes.
Quelle: https://kriegsgraeberstaetten.volksbund.de

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Ehrung mit dem Ehrenkreuz in Gold des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge (von links): Sebastian Weilbach (Bezirksgeschäftsführer des Volksbundes), Landrat Thorsten Freudenberger, Valentin Mayer und Regierungspräsident Dr. Erwin Lohner.                                  
Foto: Jürgen Bigelmayr / Landratsamt Neu-Ulm

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