Holocaust machte auch vor Neu-Ulm nicht Halt


Mit hasserfüllten Worten fing es an, was in millionenfachem, systematischem Massenmord in deutschem Namen mündete. Die Geschichte der Juden in Deutschland und Mitteleuropa ist die Geschichte von Entrechtung, Enteignung und Ermordung. Daran erinnern mittlerweile weithin die „Stolpersteine“, die der Künstler Gunter Demnig an den einstigen Standorten der Häuser und Wohnungen der jüdischen Verbrechensopfer in den Boden einließ. Auch in Neu-Ulm.

Margarete Fischer, Integrationsbeauftragte des Landkreises Neu-Ulm, organisierte einen eindrucksvollen Rundgang entlang der „Stolpersteine“ in Neu-Ulm, für den sie Mareike Kuch, Leiterin des Dezernats Bildung, Kultur, Sport und Freizeit der Stadt Neu-Ulm, als Referentin gewann.

Es waren bewegende Einblicke in das Leben und Sterben der jüdischen Neu-Ulmer, die 15 interessierte und in der Integrationsarbeit engagierte Frauen und Männer erhielten. Mareike Kuch beeindruckte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit ihrem Wissen und beantwortete fachkundig alle Fragen. Zu jedem „Stolperstein“ erzählte sie die Biographien der betroffenen Personen und zeigte historische Fotos der Wohnhäuser, wie sie früher aussahen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer legten an jedem „Stolperstein“ weiße Rosen nieder, um der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken.

Die Führung endete an der letzten Station, dem „Judenhaus“ in der Augsburger Straße 34, ehemals Hindenburgstraße 34. Mareike Kuch erläuterte den historischen Hintergrund des Hauses, das 1894/1895 von Jacob Bissinger, einem jüdischen Mitbürger, erworben worden war. 1939 wurde es „Judenhaus“. Dort wohnten mehrere jüdische Familien in sehr beengten Verhältnissen. Im Zuge der Zwangsräumung ihrer Wohnungen waren diese Menschen in solche sogenannten „Judenhäuser“ zwangsumgesiedelt worden. Im April 1942 wurde auch das „Judenhaus“ in der Augsburger Straße 34 zwangsgeräumt und die dort lebenden Juden ins „Judenlager“ Milbertshofen in München überführt. Von hier aus erfolgte die Deportation ins Ghetto Piaski, wo schreckliche Lebensbedingungen herrschten.

Geschichten wie diese hat der Künstler Gunter Demnig quer durch Europa recherchiert. Neu-Ulm blieb wie viele tausend Dörfer und Städte im Einflussbereich der Nationalsozialisten nicht von deren Verbrechen verschont.

Exkursion entlang der Stolpersteine

Weiße Rosen auf "Stolpersteine". Mareike Kuch (vorne Dritte von rechts) führte die Gruppe von Ehrenamtlichen entlang der "Stoplersteine" durch Neu-Ulm. Foto: Matthias Düffert, Helferkreis Weißenhorn

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