Bahnprojekt Ulm - Augsburg: Region spricht mit einer Stimme
Das Schreiben lautet wie folgt:
Sehr geehrter Herr Bundesminister Schnieder,
mit großer Sorge nehmen wir zur Kenntnis, dass die dringend benötigte Neubaustrecke zwischen Ulm und Augsburg möglicherweise aus finanziellen Gründen infrage gestellt wird. Das wäre ein schwerwiegender Rückschlag - nicht nur für unsere Region, sondern für die gesamte Verkehrswende in Deutschland.
Diese Bahnstrecke ist nicht nur für Bayerisch-Schwaben von großer infrastruktureller und systemischer Bedeutung. Sie beseitigt kapazitive Engpässe auf einer der am stärksten frequentierten Bahnverbindungen Süddeutschlands, sorgt für spürbare Fahrtzeitverkürzungen, einen reibungsloseren Betriebsablauf im Fern-, Nah- und Güterverkehr sowie für die Einbindung der Knoten Ulm und Augsburg in den Deutschlandtakt des Fernverkehrs. Darüber hinaus ermöglicht sie mit dem geplanten Bahnhaltepunkt Zusmarshausen die Erschließung weiterer Nahverkehrsräume - ein klares Plus für die Mobilität im ländlichen Raum.
Dabei ist besonders hervorzuheben: Es ist einmalig in Deutschland, dass es in der Region zwischen Augsburg und Ulm Kreistagsbeschlüsse gibt, die die festgelegte Vorzugstrasse der Regierung von Schwaben unterstützen. Ein derart breiter politischer Konsens - über Parteigrenzen hinweg - ist Ausdruck eines gemeinsamen Verständnisses für die enorme Bedeutung dieser Infrastrukturmaßnahme. Er schafft Planungs- und Investitionssicherheit und verhindert die Verzögerungen und Konflikte, wie sie beispielsweise beim Brennerzulauf zu beobachten sind.
Diese Strecke ist kein Prestigeprojekt, sondern ein dringend benötigter Baustein moderner, leistungsfähiger und klimafreundlicher Mobilität. Gerade in einer Zeit, in der die Stärkung der Schiene als zentrales verkehrs- und klimapolitisches Ziel ausgerufen wird, wäre ein Projektstopp aus Kostengründen das völlig falsche Signal.
Besonders gravierend wären die Auswirkungen auf den Schienenpersonennahverkehr:
Nur mit der Neubaustrecke wird der seit Langem geforderte Regio-Schienen-Takt - ein 15-Minuten-Takt mit integralem Taktfahrplan - zwischen Dinkelscherben und Augsburg und ein Halbstunden-Takt zwischen Ulm und Augsburg überhaupt realisierbar. Solange der Fernverkehr die bestehenden Gleise blockiert, bleibt ein bedarfsgerechter Ausbau des Nahverkehrs unmöglich - und damit auch der dringend notwendige Fortschritt bei der Verkehrswende in einer stark wachsenden Region mit stetig steigenden Pendlerzahlen.
Bereits die Verzögerung der Sanierung der Bestandsstrecke ist für viele Bürgerinnen und Bürger ein spürbarer Rückschlag. Längere Wartezeiten auf barrierefreie Bahnhöfe, moderne Infrastruktur und eng getaktete Verbindungen beeinträchtigen die Lebensqualität und die Mobilität vor Ort erheblich.
Die Region Augsburg hat bereits im vergangenen Jahr klare Forderungen an Bund und Bahn formuliert:
- den barrierefreien Ausbau der Bahnhöfe (höhere Bahnsteige, Aufzüge, stufenlose Zugänge),
- eine deutliche Verbesserung des Lärmschutzes entlang der Strecke,
- sowie die Einführung eines durchgängigen 15-Minuten-Takts im Nahverkehr.
Diese Maßnahmen sind nicht optional - sie sind zwingend erforderlich, um den Öffentlichen Personennahverkehr zukunftsfähig, zuverlässig und attraktiv zu
gestalten.
Die Region steht geschlossen hinter diesem Projekt. Die vorgeschlagene Trassenvariante wurde im breiten Dialog entwickelt, fachlich bewertet, sie wird politisch wie wirtschaftlich unterstützt und erfüllt alle raumordnerischen Voraussetzungen. Ein Rückzug zum jetzigen Zeitpunkt würde nicht nur eine große verkehrspolitische Chance verspielen, sondern auch ein außergewöhnliches Maß an regionalem Konsens und Vertrauen gefährden.
Wir richten daher unseren eindringlichen Appell an Sie:
- Bekennen Sie sich öffentlich und verbindlich zum Bahnprojekt Ulm-Augsburg.
- Führen Sie die zugesagten Planungen ohne weiteren Aufschub fort.
- Sichern Sie die erforderlichen Haushaltsmittel im Bundesetat.
Die Region Augsburg, der Wirtschaftsraum Ulm/Neu-Ulm, Bayerisch-Schwaben und das westliche Bayern stehen bereit. Jetzt ist es an Berlin, diesen Rückhalt
nicht zu enttäuschen.
Mit freundlichen Grüßen
- Eva Weber, Oberbürgermeisterin Stadt Augsburg
- Reinhold Braun, Präsident der IHK Schwaben
- Reinhold Braun Hans-Peter Rauch, Präsident der HWK Schwaben
- Eva Treu, Landrätin Landkreis Neu-Ulm
- Martin Sailer, Landrat Landkreis Augsburg
- Dr. Hans Reichhart, Landrat Landkreis Günzburg
- Martin Ansbacher, Oberbürgermeister Stadt Ulm
- Dr. Klaus Metzger, Landrat Landkreis Aichach-Friedberg
- Dr. Jan Stefan Roell, Präsident der IHK Ulm
- Katja Maier, Präsidentin der HWK Ulm