Berufsschulen: Landkreis setzt sich für wirtschaftsfreundliche Lösungen ein


Landrätin Eva Treu kann den Unmut mehrerer Unternehmer aus dem Landkreis Neu-Ulm sehr gut nachvollziehen. Diese hatten sich kürzlich bei einem Pressegespräch zur Vorstellung der aktuellen Konjunkturprognose über die neue Sprengelbildung im Bereich der Berufsschulen beklagt. „Wir waren in diese Entscheidung nicht eingebunden und sind bereits dran, gemeinsam mit allen Beteiligten eine wirtschaftsfreundliche Lösung voranzubringen“, sagt Landrätin Treu.

Die Kritik bezieht sich auf eine Entscheidung des baden-württembergischen Nachbarlandkreises Biberach sowie des Regierungspräsidiums Tübingen: Ohne die bayerischen Beteiligten vorab zu informieren, wurde dort im Sommer beschlossen, die Ausbildungsberufe Fachlagerist und Fachkraft für Lagerlogistik ab dem Schuljahr 2026/27 an der Berufsschule in Laupheim neu anzubieten. Hierfür wurde dann eine entsprechende Sprengelbildung für die Landkreise Biberach, Alb-Donau und den Stadtkreis Ulm genehmigt.

Für die Berufsschule Neu-Ulm bedeutet dies weitreichende Konsequenzen: Der Bereich der Lagerlogistik umfasst dort aktuell ca. 530 Auszubildende in den beiden Ausbildungsberufen Fachlagerist (zweijährige Ausbildung) und Fachkraft für Lagerlogistik (dreijährige Ausbildung), davon stammen ca. 290 Auszubildende aus Betrieben mit Standorten in Baden-Württemberg – diese würden mit der neuen Sprengelbildung künftig wegfallen.

Aus Sicht des Landratsamtes und von Landrätin Eva Treu hat sich in der Grenzregion Donau-Iller die länderübergreifende Beschulung von Auszubildenden in den vergangenen Jahrzehnten bewährt – sowohl für die baden-württembergische als auch die bayerische Seite: „Eine möglichst wohnortnahe Berufsschule ist für viele junge Menschen ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl der Ausbildung – und für viele Betriebe damit ein Kriterium, Ausbildungsplätze anzubieten“, erläutert Landrätin Treu. Durch den neu einzuführenden Sprengel für die Ausbildungsberufe Fachlagerist und Fachkraft für Lagerlogistik würden sich deutlich weitere Fahrwege bzw. Fahrtzeiten für die Auszubildenden in den Betriebsstandorten entlang der Iller sowie im nordöstlichen Alb-Donau-Kreis ergeben, da der ÖPNV in diesen Bereichen auf das Zentrum Ulm/Neu-Ulm ausgelegt ist. Für viele Unternehmen würde es dadurch noch schwieriger, Auszubildende zu finden, da diese voraussichtlich nicht bereit sein werden, derart weite Wege in Kauf zu nehmen. „Wir sollten hier pragmatisch vorgehen und nicht starr in Sprengeln und Ländergrenzen denken“, fordert Landrätin Eva Treu. „Das ist das Gegenteil eines so oft geforderten Bürokratieabbaus.“

 Landrätin Eva Treu ist es ein dringendes Anliegen, hier gemeinsam mit allen Beteiligten eine sinnvolle Lösung zu finden. Deshalb hatte sie bereits Ende des vergangenen Jahres zu einem Runden Tisch geladen und hierzu auch IHK-Vertreter eingeladen. Seither wird an einem für alle zufriedenstellenden Kompromiss gearbeitet, der Landkreis Neu-Ulm ist hierfür aber auf eine Zusammenarbeit sowie ein Entgegenkommen des Landkreises Biberach angewiesen.

Auch die Fraktion der Jungen Union im Neu-Ulmer Kreistag hat sich des Themas angenommen und einen Antrag in den Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport eingebracht, der dort behandelt wurde. Darin spricht sich die Fraktion für eine koordinierte, überregionale und zukunftsorientierte Planung des beruflichen Bildungsangebots und gegen eine einseitige Sprengelbildung aus. Der einstimmig gefasste Beschluss des Ausschusses beauftragte die Verwaltung, gemeinsam mit allen Beteiligten eine grenzüberschreitende Strategie zur Stärkung der beruflichen Bildung zu erarbeiten. Er sieht neben einer Sicherung der Berufsschulstandorte im Landkreis Neu-Ulm auch deren Weiterentwicklung vor.

„Wir haben schon länger signalisiert, dass wir uns auch die Ansiedlung weiterer Ausbildungsberufe bei uns vorstellen können und wir hier gerne in eine zukunftsorientierte Neuaufstellung einsteigen wollen“; sagt Landrätin Eva Treu. Der Weg könne hier nur ein gemeinsamer sein – über Landkreis- und Bundesländergrenzen hinweg.

Nach oben