Termin

Ausstellungen "Im Klang der Zeit und langsam im dip" sowie "Unser Leben - süßsauer serviert"

Do., 13. Juli bis So., 5. November 2023
Öffnungszeiten
Dienstag 16:00 - 20:00 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertag, 13:00 - 17:00 Uhr
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Beschreibung

Andrea Tiebel-Quast: "Im Klang der Zeit und langsam im dip"

Andrea Tiebel-Quast arbeitet konzeptionell und in Werkgruppen. Sie hat ihren künstlerischen Schwerpunkt in der Malerei, Skulptur, Installation und Performance. In der Anwendung ungewöhnlicher Materialien und Objekte erschließen sich dem Betrachter neue Eindrücke, welche die philosophisch und politisch geprägten Gedanken der Künstlerin transportieren.

Werk von Andrea Tiebel-Quast

Die Künstlerin wurde 1970 in Bad-Saarow geboren und wuchs in Cottbus auf.
1985 verließ sie Ostdeutschland und lebte für 14 Jahre in Niedersachsen. In diese Zeit fällt der Beginn ihrer künstlerischen Tätigkeit. Seit 1999 ist Tiebel-Quast als bildende Künstlerin in Baden-Württemberg tätig.

Ihre Werke sind inzwischen bundesweit und international zu sehen. 2020 wurde sie für den St. Leopold Friedenspreis und den Annegret Zawischa Preis nominiert.

www.tiebelquast.de

Kabinettausstellung Heike Sauer: "Unser Leben - süßsuaer serviert"

Im Schwäbischen geboren, lebt Heike Sauer seit 1997 in Ulm. Als Marlies Blume ist sie schon fast 30 Jahre auf den Kabarettbühnen quer durchs Land unterwegs. Seit 2010 arbeitet sie auch als bildende Künstlerin.

Der rosarote Faden: Humor, Ironie, eine große Liebe zu den Menschen und gerne ein bisschen Kitsch. Davon darf es gern ein bisschen mehr sein. Heike Sauer sammelt alte Erinnerungsstücke, Alltagsgegenstände, Aussortiertes und Nicht-mehr-Gewolltes.

Heike Sauer und ihr Fundus

Ganz so unbedarft kitschig-bunt wie es klingt, bleibt es selten: Hinter der bunten Nippes-Fassade ihrer Werke lauern Tiefgang, Satire und manchmal auch bitterböser Humor. Neu arrangiert, wird es dann serviert, das Leben. So wie es eben ist: süßsauer.

Besprechung der beiden Ausstellungen

Freiheit ist das zentrale Motiv der künstlerischen Arbeit von Andrea Tiebel-Quast. Die 53-Jährige wurde in der ehemaligen DDR geboren und kam 1985, also noch vor der Wende, nach Westdeutschland. Ihr Vater war unter abenteuerlichen Umständen über die Tschechoslowakei in die BRD geflüchtet und holte dann seine Frau und seine Kinder im Rahmen der Familienzusammenführung nach. Andrea Tiebel-Quast lässt diese Erlebnisse, zu denen auch die Überwachung durch die Stasi gehört, und die sorbische Herkunft ihrer Familie in ihre Kunst einfließen.

Einen Ausschnitt daraus zeigt der Landkreis Neu-Ulm vom 13. Juli bis zum 05. November 2023 im Museum für bildende Kunst in Nersingen-Oberfahlheim. Parallel läuft im Kabinett des Museums die Ausstellung: "Unser Leben süßsauer serviert" von Heike Sauer, bekannt auch als Kabarettistin unter dem Künstlernamen "Marlis Blume".

Tiebel-Quasts Ausstellung im Erdgeschoss "Im Klang der Zeit und langsam im dip" lässt sich in mehrere Blöcke ordnen: erstens Pop-Art-Collagen zum Sehen, Tasten, Fühlen und Hören; zweitens Tusche-Zeichnungen; drittens aus Bronze gegossene Figuren, Objekte und Organe sowie viertens eine große Installation zum Thema "Ringen um die Menschenrechte" im Museumskeller.

Eine 70 Meter lange Plane, auf der die Menschenrechtsartikel der Vereinten Nationen (UN-Charta) aufgedruckt sind, ist im Gewölbe ausgelegt. Der Betrachter steht vor der Wahl, die Menschenrechte mit Füßen zu treten oder zurückzubleiben und die Menschenrechte nicht anzutasten. Als Performance-Partnerinnen erregten die beiden Künstlerinnen Andrea Tiebel-Quast und Heike Sauer damit 2021 auf dem Ulmer Münsterplatz viel Aufsehen. Ein fünfminütiger Film zeigt die Aktion im Landkreismuseum in Oberfahlheim.

Freiheit ist auch ein wichtiges Thema in der sorbischen Mythologie, in der sich Andrea Tiebel-Quast bestens auskennt. Sie ist zwar selbst keine Sorbin, hat jedoch – so drückt sie sich aus – einen "sorbischen Hintergrund" aus dem Spreewald. "Je älter ich werde, desto mehr setze ich mich mit meiner familiären Herkunft auseinander." Dafür stehen die vielfältigen Bronzegüsse von sorbischen Fabelwesen und Sagengestalten (wie etwa der Wassermann, sorbisch Nykus), die in der Oberfahlheimer Schau zu sehen sind. Einige der Bronze-Miniaturen zeigen zudem das menschliche Herz in seiner Anatomie.

Auch die fernöstliche Kultur beeinflusst Andrea Tiebel-Quast stark. "Sie inspiriert mich, und ich versuche, daraus zu lernen", erläutert die Wahl-Oberschwäbin, die in Schemmerhofen bei Biberach wohnt. Dafür stehen zum Beispiel die vier nebeneinander hängenden Tuschebilder, die Menschen in verschiedenen Posen beim Kalligraphieren mit einem meterlangen Pinsel zeigen.

Plakativ sind die großen Collagen, die im Hauptraum hervorragend zur Geltung kommen. In mehreren Schritten hat sie Andrea Tiebel-Quast aus Fotos zusammengestellt, die sie zufällig auf der Straße in Berlin und Dresden aufgenommen hat. Sie habe die Arbeiten "auf Papier, digital und audiovisuell collagiert". Hörbar und haptisch erlebbar macht sie ihre Kunst zum Beispiel durch "Hörschnipsel", die sie mit eingeweichten und wieder getrockneten Telefonbüchern verbindet. Die Collagen oder die ramponierten Telefonbücher können nach Lust "geknetet" oder auf andere Weise angefasst werden. Eingebaute Mikrofone und ein Mischpult vermitteln die dabei entstehenden Geräusche.

In der Kabinettausstellung, die ebenfalls am Donnerstag, 13. Juli, um 19:00 Uhr eröffnet wird, greift Künstlerkollegin Heike Sauer nochmals das Sujet "Menschenrechte" auf. Sie hat die 30 Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 händisch auf zwei Papierfahnen aufgeschrieben und dann zum Teil durch Reißwölfe geschreddert. Die Betrachterin oder der Betrachter wird dabei zur Interpretation und Inspiration eingeladen.

Im zweiten Kabinettraum trifft man auf eine Fülle von Souvenirs, Alltagsgegenständen, Aussortiertem oder Nicht-mehr-Gewolltem. "Hinter dieser bunten Nippes-Fassade lauern Tiefgang, Satire und manchmal auch bitterböser Humor", heißt es im Flyer zu der neuen Doppelausstellung. "Neu arrangiert, wird es dann serviert, das Leben. So wie es eben ist: süßsauer."

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Veranstaltungsort
Museum für bildende Kunst Oberfahlheim
Alte Landstraße 1a
89278 Oberfahlheim
Stadt/Ort: Nersingen
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Kosten

Der Eintritt ist frei.

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Hinweise

Flyer zur Ausstellung (pdf)

Gerne bieten wir angemeldeten Gruppen, Schulklassen und Kitas auch außerhalb der Öffnungszeiten die Möglichkeit zu einem ungestörten Museumsbesuch. Kontakt Museum für bildende Kunst

Weitere Infos zur Ausstellung unter Museum für bildende Kunst Oberfahlheim


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Veranstalter
Landkreis Neu-Ulm
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