Verkehrsschilder und Wegweiser

Die 54. Verordnung zur Änderung straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften (BGBl. I 2020 S. 814), die am 28.04.2020 in Kraft getreten ist, enthält wesentliche Änderungen zur Stärkung des Radverkehrs:

Durch eine Neufassung der bestehenden Regelung ist klargestellt, dass das Nebeneinanderfahren von Radfahrenden grundsätzlich gestattet ist. Lediglich wenn andere Verkehrsteilnehmende behindert werden, muss hintereinander gefahren werden.
Für das Überholen von zu Fuß Gehenden, Radfahrenden und Elektrokleinstfahrzeugführenden durch Kraftfahrzeuge ist fortan ein Mindestüberholabstand von 1,5 Metern innerorts und von 2 Metern außerorts festgeschrieben. Bisher schreibt die Straßenverkehrsordnung (StVO) lediglich einen „ausreichenden Seitenabstand“ vor.
Für rechtsabbiegende Kraftfahrzeuge über 3,5 Tonnen ist aus Gründen der Verkehrssicherheit innerorts Schrittgeschwindigkeit (4 bis 7, max. 11 km/h) vorgeschrieben.
Auf Fahrrädern dürfen Personen mitgenommen werden, wenn die Fahrräder zur Personenbeförderung   gebaut und eingerichtet sind und der Fahrzeugführende mindestens 16 Jahre alt ist.
Die Änderung der Bußgeldkatalog-Verordnung (BKatV-Novelle) wurde am 19. Oktober 2021 im Bundesgesetzblatt (BGBl. IS. 4688) verkündet und tritt am 9. November 2021 in Kraft. Mit der BKatV-Novelle können auch Verstöße zum Schutz des Rad- und Fußverkehrs, z. B. bei verbotswidrigem Parken auf Geh- und Radwegen sowie unerlaubtes Halten auf Schutzstreifen, mit höheren Geldbußen geahndet werden.
Um die Sicht zwischen Straße und Radweg zu verbessern und damit die Sicherheit speziell von Radfahrenden zu erhöhen, wurde das Parken vor Kreuzungen und Einmündungen in einem Abstand von bis zu je 8 Metern von den Schnittpunkten der Fahrbahnkanten verboten, wenn ein straßenbegleitender baulicher Radweg vorhanden ist.
Radfahrstreifen sind durch eine durchgezogene Linie von der Fahrbahn abgetrennte Verkehrsflächen. Sie können rot eingefärbt und/oder durch Fahrradpiktogramme zusätzlich hervorgehoben sein. Die Benutzungspflicht für Radfahrer ergibt sich aus dem Verkehrszeichen 237. Radfahrstreifen werden grundsätzlich im Einrichtungsverkehr betrieben.

Kraftfahrzeuge dürfen Radfahrstreifen nicht im Längsverkehr befahren, ebenso ist das Halten oder Parken verboten.
Im Rahmen einer Gesamtüberarbeitung der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung (StVO) im Jahr 2020 sollen die zuständigen Straßenverkehrsbehörden verstärkt zur Prüfung der Öffnungsmöglichkeit von Einbahnstraßen in Gegenrichtung für Radfahrende aufgerufen werden. Ziel ist es, hierdurch die Zahl der in Gegenrichtung freigegebenen Einbahnstraßen zu vergrößern.
Schutzstreifen sind Bereiche am rechten Rand der Fahrbahn, die durch gestrichelte Linien markiert sind. In der Regel soll die Zweckbestimmung durch Fahrradpiktogramme verdeutlicht werden. Radfahrern wird dadurch mehr Platz zum Fahren eingeräumt, da sich Autofahrer stärker zur Mitte der Fahrbahn orientieren. Eine Nutzungspflicht der Schutzstreifen für Radfahrer gibt es nicht, jedoch ist das Rechtsfahrgebot einzuhalten.

Autofahrer dürfen Schutzstreifen nur befahren, wenn dies unbedingt notwendig ist (z. B. bei der Begegnung mit einem Lkw oder Bus), und müssen dabei auf Radfahrer achten. Auf Schutzstreifen darf generell nicht geparkt werden.

Schutzstreifen für den Radverkehr trennen den Rad- und den Autoverkehr mit einer gestrichelten weißen Linie (Zeichen 340 der StVO). Autos dürfen dort zwar nicht parken, aber bislang noch bis zu drei Minuten halten. Dies führt vielfach dazu, dass die Radfahrenden Schutzstreifen nicht durchgängig nutzen können, weil ihnen haltende Autos den Weg versperren. Deshalb wird dort ein generelles Haltverbot eingeführt.

Verkehrsschilder

Schild FahrradstraßeSchild Fahrradstraße Ende

Fahrradstraßen sind alleine dem Radverkehr vorbehalten. Radfahrende dürfen hier auch nebeneinander fahren. Besondere Fahrradstraßen sind Radschnellwege.

Ziel der Fahrradstraße: kreuzungsfreies, schnelles Radfahren „falls andere Fahrzeuge wie Pkws oder Motorräder die Fahrbahn mit benutzen dürfen, muss das durch ein zusätzliches Schild gekennzeichnet sein. Sie sind auf den Fahrradstraßen lediglich geduldet und müssen dem Radverkehr Vorrang gewähren“, erklärt Daniela Reich, Rechtsanwältin bei der Fahrradrechtsberatung Bikeright.

Gut zu wissen: Ist Autofahren auf Fahrradstraßen erlaubt, dann nur mit der Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h.
Schild FahrradzoneSchild Fahrradzone Ende

Analog zu den Tempo 30-Zonen können nun auch Fahrradzonen angeordnet werden. Die Regelung orientiert sich an den Regeln für Fahrradstraßen: Anderer Verkehr als Radverkehr ist hier nur nach gesonderter Freigabe gestattet. Für den freigegebenen Fahrverkehr gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Der Radverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden.

Auch Elektrokleinstfahrzeuge dürfen hier fahren.

Die Straßenverkehrsbehörden können Fahrradzonen unter erleichterten Voraussetzungen anordnen.
Schild Radverkehr Verbot
Bei Verkehrszeichen mit rotem Rand läuten die Alarmglocken: Es sind Verbote.
In diesem Fall heißt es: Verbot für alle nicht-motorisierten Zweiräder, sowie Pedelecs mit Tretunterstützung. Nicht betroffen sind hingegen S-Pedelecs als Kleinkrafträder.

Das Schild findet man beispielsweise als Zusatz in Fußgängerzonen oder in verkehrsberuhigten Bereichen, wo auch motorisierte Fahrzeuge untersagt sind. Aber auch auf Bundesstraßen oder bei Brücken kann ein derartiges Schild angebracht sein.

Strafe: Bei Nichtbeachten drohen zwischen 10 und 25 Euro Bußgeld in Deutschland.
Schild Achtung Radfahrer
Schild RadwegGemeinsamer Geh- und RadwegSchild getrennter Geh- und Radweg

Verkehrszeichen 237, 240, 241
Bei den blauen Schildern mit weißem Fahrrad müssen Radfahrende den Radweg benutzen. Fahren auf der Fahrbahn ist tabu.

Schild 237 ist ein reiner Radweg. Zeichen 240 ist ein gemeinsamer Fuß- und Radweg. Hier gilt besondere Rücksicht auf Personen, die zu Fuß unterwegs sind. Zeichen 241 ist ein getrennter Rad- und Fußweg.

Tipp: Wenn eine geschlossene Gruppe  die kritische Zahl von 15 Personen übersteigt, dürfen diese trotz des Schildes auf der Fahrbahn fahren. Auch wenn der Radweg nicht geräumt oder versperrt ist, dürfen Radfahrende auf die Fahrbahn ausweichen!
Schild Sackgasse
Schild Tempo 30
Die Geschwindigkeitsregelung in Tempo-30-Zonen ist klar. Für Radfahrende gibt es hier einen weiteren positiven Nebeneffekt. In der Tempo-30-Zone gibt es keine Radwegebenutzungspflicht und der Radverkehr fließt auf der Fahrbahn mit den Kraftfahrzeugen.

Gut zu wissen: Das gilt im Übrigen auch, wenn ein Radweg vorhanden ist. Radfahrende können selbst entscheiden, ob sie den Radweg nutzen möchten (oder nicht)!
Schild RadschnellwegSchild Radschnellweg Ende
Das Verkehrszeichen „Radschnellweg“ wurde eingeführt, um eine einheitliche Kennzeichnung von Radschnellwegen zu ermöglichen.

Wegweiser

Das weiße Schild meist mit grünem Fahrrad und Richtungspfeil ist ein Wegweiser für Radwege. Die Verkehrszeichen sind in erster Linie in touristischen Regionen aufgestellt und dienen der besseren Orientierung. Die Wegweiser geben Radfahrenden keinerlei Vorrechte gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern.

Die grünen Radwegweiser in Baden-Württemberg sind nach immer gleichem Muster aufgebaut. Mit Piktogrammen und eingehängten Schildern werden zusätzliche Informationen untergebracht, beispielsweise zu Steigungen oder touristisch interessanten Standorten entlang der Route.

Eingehängte Zusatzschilder, die sogenannten Routenpiktogramme, zeigen auf welcher touristischen Radroute man sich befindet.

Bei Vollsperrungen werden gelbe Wegweiser für Radfahrer angebracht, um den Radverkehr umzuleiten.

Für die Beschilderung des Landesnetzes „RadNETZ BW“ ist das Land Baden-Württemberg zuständig. Es handelt sich um ein flächendeckendes, durchgängiges Netz alltagstauglicher Fahrradverbindungen zwischen den Mittel- und Oberzentren entlang der wichtigsten Siedlungsachsen im Land. In dieses Netz sind auch die (touristischen) Landesradfernwege integriert. Zusätzlich zu Wegweisern werden hier als Orientierungshilfe auch Piktogramme auf dem Boden eingesetzt.
Schild Grünpfeil für Radler
Offiziell erst seit 2009 wird das Verkehrszeichen der „durchlässigen Sackgasse“ benutzt. Damit wird bei Einfahrt in die Sackgasse bereits klar, dass für Fahrräder am Ende der Straße nicht Schluss ist.

Tipp: In der Praxis ist der weiterführende Weg oft äußerst schmal, das kann für Liegedreiräder oder Räder mit Anhänger schon mal zu eng sein.
Schild beide Richtungen
Schild Radfahrer rechts links
Schild Radfahrer absteigen
Beim Schild „Radfahrer absteigen“ muss man runter vom Rad? Ein populärer Irrtum! Das Schild ist eine Empfehlung – kein Gebot.

„Das Schild kann nicht zum Absteigen zwingen. Wenn der Radweg versperrt ist, etwa durch eine Baustelle, darf man auf die Fahrbahn ausweichen“, erklärt Reich. Ist allerdings ein Ausweichen auf die Fahrbahn nicht möglich und es bleibt nur der Gehweg, muss der Radfahrende in jedem Fall absteigen. Radfahren auf Gehwegen ist bekanntlich verboten.
Schild Radfahrer und Anlieger frei
Schild Radfahrer frei
Fußgängerwege dürfen von Radfahrenden nur dann mit benutzt werden, wenn sie durch das Zusatzzeichen „Radfahrer frei“ gekennzeichnet sind. Radfahrenden steht es frei, auf dem Gehweg oder auf der Fahrbahn zu fahren. Beim Fahren auf dem Gehweg müssen sie sich an die Geschwindigkeit der Fußgängerinnen und Fußgänger anpassen und dürfen diese nicht behindern.

Wenn nötig, müssen Radfahrende warten.

Das Zeichen wird auch bei der Freigabe von Einbahnstraßen entgegen der Fahrtrichtung für Radfahrende genutzt. Voraussetzung dafür ist eine Tempo-30-Straße, eine übersichtliche Verkehrsführung sowie ausreichend Platz und Schutzraum. Auch Busspuren können durch dieses Zeichen für den Radverkehr freigegeben werden.

Gut zu wissen: Eltern aufgepasst! Kinder unter 8 Jahren müssen auf dem Gehweg oder einem baulich von der Fahrbahn getrennten Radweg fahren. Kinder im Alter von 8 und 9 Jahren dürfen den Gehweg oder den Radweg/Radfahrstreifen/Schutzstreifen benutzen. Für Kinder ab 10 gelten dieselben Verkehrsregeln und -zeichen wie für Erwachsene.
Schild E-Bikes
Die E-Mobilität macht auch vor den Verkehrszeichen nicht halt. So sorgt das Zusatzzeichen „E-Bike frei“ seit 2017 für Verwirrung. Das Verkehrszeichen gilt nicht für E-Bike-Fahrende mit Tretunterstützung (Pedelecs), sondern bezieht sich ausschließlich auf die ganz kleine Gruppe der reinen E-Bikes, die nur mit Handgas ohne Tretunterstüztung (S-Pedelecs) unterwegs sind.

Pedelecs bzw. E-Bikes sind Fahrräder und werden auch bei den Verkehrsschildern so behandelt. S-Pedelecs werden als Kleinkrafträder eingestuft. Diese haben auf Radwegen nichts verloren.
Schild Verkehrsberuhigter Bereich
Das blaue Schild mit spielenden Personen hat auch für Radfahrende eine wichtige Bedeutung: Genauso wie Autos dürfen Fahrräder in diesen gekennzeichneten Straßen nur mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs sein und müssen besonders auf Fußgängerinnen und Fußgänger achten. Rechts vor links ist im Normalfall gegeben. Bei Ausfahrten besteht eine Wartepflicht.
Strafe: Bei Missachtung ist mit einer Strafe zu rechnen, insbesondere wenn es zu Sachbeschädigungen oder Personenschäden kommt.
Schild Lastenrad
Um speziell für Lastenfahrräder Parkflächen und Ladezonen vorhalten zu können, wurde ein spezielles Sinnbild „Lastenfahrrad“ eingeführt, das die zuständigen Straßenverkehrsbehörden nutzen können.
Schild Radschnellweg groß
Das Verkehrszeichen „Radschnellweg“ wurde eingeführt, um eine einheitliche Kennzeichnung von Radschnellwegen zu ermöglichen.
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